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Zwei Gerüstkeramiken - ein Micro-Layering-Konzept

von DT Andreas Chatzimpatzakis

 

Zwei unterschiedliche Gerüstwerkstoffe im Frontzahnbereich stellen besondere Anforderungen an das keramische Schichtkonzept. Im vorliegenden Fall wurden Veneers aus Lithiumdisilikat mit einer Adhäsivbrücke aus Zirkonoxid kombiniert. Wie sich dennoch eine stimmige Lichtwirkung erzielen lässt, zeigt der Autor in diesem Beitrag.

Individuelles Smile Makeover: Zwei Gerüstkeramiken – ein Micro-Layering-Konzept

Im Laboralltag stehen wir immer wieder vor Situationen, in denen ästhetische Korrekturen mit medizinisch notwendigen Maßnahmen kombiniert werden. Typisches Beispiel ist ein Smile Makeover der Frontzähne, das zugleich den Ersatz eines fehlenden lateralen Schneidezahns einschließt. Bei der Patientin zeigten sich alte Kompositrestaurationen sowie Schmelzfrakturen; zusätzlich fehlte Zahn 12 (Abb. 1). Geplant wurden vier Veneers aus Lithiumdisilikat (11, 21, 22 und 23). Der Lückenschluss sollte minimalinvasiv über eine Zirkonoxid-Adhäsivbrücke erfolgen.

Damit war von Beginn an klar: Zwei unterschiedliche Gerüstwerkstoffe würden nebeneinanderstehen. Eine naheliegende Lösung wäre gewesen, die Lithiumdisilikat-Veneers und die Zirkonoxid-Adhäsivbrücke jeweils mit einem spezifischen Keramiksystem zu finalisieren. Genau hier liegt das Risiko. Unterschiedliche Verblendkeramiken können zu Abweichungen in Farbe, Transluzenz und Oberfläche führen. Die eigentliche Schwierigkeit liegt daher nicht im einzelnen Werkstoff, sondern in dessen Kombination und in der Frage nach einem einheitlichen Verblendkonzept. Die Antwort: CERABIEN™ MiLai (Kuraray Noritake). Das universelle Micro-Layering-System kann sowohl auf Zirkonoxid als auch auf Lithiumdisilikat verarbeitet werden.

 

Umsetzung der Restaurationen

Die Planung erfolgte im engen Kontakt zwischen Praxis und Labor. Nach funktioneller und ästhetischer Abstimmung wurde ein Mock-up erstellt und intraoral überprüft (Abb. 2). Die Präparation erfolgte minimalinvasiv durch das Mock-up (Abb. 3 und 4).

 

Lithiumdisilikat für die Veneers

Für die Veneers wurde Lithiumdisilikat verwendet (Amber Press LT, HASS Bio). Die Wahl fiel auf die LT-Variante für eine ausgewogene Balance zwischen Lichtdurchlässigkeit und Helligkeit. Ein wesentliches Merkmal von Amber ist die über die Brennführung individuell steuerbare Transluzenz. Gerade im Frontzahnbereich ist das oft hilfreich. Die Veneers wurden vollanatomisch konstruiert. Ein leichtes Cut-back schuf Raum für eine fein abgestimmte Lichtmodulation mit dem Micro-Layering.

 

Zirkonoxid für die Adhäsivbrücke

Für die Adhäsivbrücke wurde ein Multi-Layered-Zirkonoxid gewählt (KATANA™ Zirconia YML, Kuraray Noritake). Entscheidend war neben der Festigkeit die optische Integration. Die Brücke sollte sich harmonisch an die benachbarten Veneers anfügen. KATANA™ Zirconia YML vereint eine hohe Biegefestigkeit im Body-Bereich mit erhöhter Transluzenz in der Schmelzschicht. Bei der Positionierung im Rohling wurde der Verbinder im hochfesten Bereich platziert, während der sichtbare Anteil von der transluzenteren Zone profitierte. Auch das Zirkonoxidgerüst Zahn 13/12 erhielt vestibulär ein minimales Cut-back.

 

Micro-Layering: Ein System für alle Fälle

Statt nun zwei unterschiedliche Keramiksysteme für die beiden Gerüstwerkstoffe (Abb. 5 und 6) parallel zu führen, wurden alle Restaurationen (Lithiumdisilikat und Zirkonoxid) mit CERABIEN™ MiLai verblendet. Die Konsistenz der Pulverkeramik lässt sich individuell einstellen, die Massen reagieren kontrollierbar. Die Brenntemperatur von 740 °C hält die thermische Belastung gering. Gerade beim Micro-Layering ist die thermische Abstimmung entscheidend. Bei dünnen Schichten zeigen inhomogene Keramiken schnell Grauschleier oder eine optische Unruhe. Die auf synthetischer Feldspatkeramik basierende Struktur sorgt für ein gleichmäßiges Aufschmelzen und ein stabiles Brennergebnis – auch über mehrere Brände hinweg.

 

Selektives Schichtkonzept zur Vorbereitung

Die Finalisierung erfolgte auf beiden Gerüstwerkstoffen nach demselben Grundprinzip. Lediglich die vorbereitenden Arbeitsschritte unterschieden sich je nach Substrat geringfügig (Abb. 6, 7, 8).

Auf die Zirkonoxidoberfläche wurde CERABIEN™ MiLai LT1 im mittleren und zervikalen Bereich appliziert. LT1 verleiht dem Schmelzbereich eine natürliche Transluzenz sowie Opaleszenz und schafft die optische Grundlage für die Individualisierung. Bei den Lithiumdisilikat-Veneers stand zunächst die Kontrolle des Helligkeitswerts (Value) im Vordergrund. Aufgrund der hohen Transluzenz kann Lithiumdisilikat intraoral dunkler erscheinen. Um dem entgegenzuwirken, wurden Value Liner 1 und Value Liner 2 im inzisalen Bereich aufgetragen. Im mittleren und zervikalen Bereich kam eine Mischung aus Creamy Enamel und Value Liner 2 im Verhältnis 70/30 zum Einsatz. Im inzisalen Bereich der beiden Eckzähne wurde zusätzlich E2 appliziert.

 

Einheitliches Schichtschema für das Micro-Layering

Das Micro-Layering erfolgte in zwei Bränden. Im ersten Schritt wurden alle Restaurationen mit einer Schicht Tx überdeckt, gefolgt von LTx. Die Massen unterscheiden sich in ihrer Lichtcharakteristik; LTx weist eine stärker opaleszente Wirkung auf (Abb. 9–14). Nach dem ersten Brand zeigte sich ein stimmiges Grundbild (Abb. 15). Bei der zweiten Schichtung wurde der zervikale Bereich mit LT1 ergänzt. Die Randleisten sind mit Creamy Enamel akzentuiert worden, um den Helligkeitsverlauf zu unterstützen. Die finale Oberfläche entstand durch einen feinen Mantel aus LTx (Abb. 16).

 

Oberflächentextur und Finish

Die Ausarbeitung erfolgte mit Diamanten und Gummipolierern. Der abschließende Glanzbrand nutzte den Self-Glaze-Effekt der Keramik, sodass die Mikrostruktur erhalten blieb (Abb. 17). Damit die Restaurationen ihre optische Wirkung intraoral beibehalten, ist das Befestigungskonzept entscheidend. Sowohl für Lithiumdisilikat als auch Zirkonoxid wird in der Regel ein adhäsives Vorgehen gewählt. MDP-haltige Befestigungskomposite (z. B. PANAVIA™, Kuraray Noritake) ermöglichen eine chemische Anbindung an Zirkonoxid und sichern zugleich den stabilen Verbund zu Lithiumdisilikat.

 

Abb. 1 Smile Makeover gewünscht: verfärbte Kompositrestaurationen und fehlender Zahn 12

 

Abb. 2 Mock-up zur Planung der Restaurationen

 

Abb. 3 Minimalinvasive Präparation durch das Mock-up

 

Abb. 4. Präparierte Zähne für die vollkeramische Restauration

 

Abb. 5. Okklusale Ansicht der Oberkieferzähne nach der Zahnpräparation.

 

Abb. 6. Veneers aus Lithiumdisilikat (23 bis 11) und Adhäsivbrücke aus Zirkonoxid regio 12/13 vor dem Cut-Back

 

Abb. 7. Veneers aus Lithiumdisilikat (23 bis 11) und Adhäsivbrücke aus Zirkonoxid regio 12/13 nach dem Cut-Back

 

Abb. 8. Auftrag von CERABIEN™ MiLai LT1 im mittleren und zervikalen Bereich der Zirkonoxidbrücke

 

Abb. 9. CERABIEN™ MiLai Value Liner 2...

 

Abb. 10. … und Value Liner 1 im inzisalen Bereich der Veneers

 

Abb. 11. CERABIEN™ MiLai Creamy Enamel gemischt mit Value Liner 2 (70/30) im mitleren Bereich der Veneers...

 

Abb. 12. ... und E2 iim inzisalen Bereich beider Eckzähne.

 

Abb. 13. Überschichten aller Restaurationen mit Tx ...

 

Abb. 14. ... und LTx.

 

Abb. 15. Restauration nach dem ersten Brand.

 

Abb. 16. Ergänzung von LT1 im Zervikalbereich und Creamy Enamel auf den Randleisten.

 

Abb. 17. Finalisiierung der Schmelzoberfläche mit einer Schicht LTx, welches für eine hohe Lichtdurchlässigkeit und Opaleszenz sorgt.

 

Abb. 18. Ergebnis nach dem 2. Brand.

Abb. 19. Finale Restauration nach dem Glanzbrand mit natürlichem Self-Glaze Effekt am Modell.

 

Abb. 20. Finale Restauration mit natürlichem Self-Glaze Effekt im Mund der Patientin.

 

 

Abb. 21. harmonische optische Integration der Restauration

 

Abb. 22. Ein wunderschönes Behandlungsergebnis.

 

Fazit

Trotz zweier unterschiedlicher Gerüstwerkstoffe zeigte sich eine homogene Lichtwirkung (Abb. 14). Weder im Helligkeitswert noch in der Transluzenz war ein Übergang zwischen Veneers und Adhäsivbrücke erkennbar. Moderne Gerüstwerkstoffe erlauben eine indikationsbezogene Differenzierung. Die ästhetische Einheit entsteht jedoch erst durch ein konsistentes keramisches Schichtkonzept. Mit einem systemübergreifend einsetzbaren Micro-Layering-System lässt sich diese Einheit materialunabhängig realisieren.

Vielen Dank gilt Dr. Kanellos Ioannis für die Zusammenarbeit bei diesem Fall und die Bereitstellung der prä- und postoperativen Fotografien.

 

Dental technician:

ANDREAS CHATZIMPATZAKIS

Andreas Chatzimpatzakis, Gründer und Leiter des ACH Dental Laboratory in Athen (seit 2000), ist spezialisiert auf Vollkeramik und Implantatprothetik. Er absolvierte seine Ausbildung als Zahntechniker an der Universität West-Attika und bildete sich im Bereich Vollkeramik in Helsinki und Japan unter renommierten Meistern weiter. Seit 2017 ist er internationaler Trainer für Kuraray Noritake Dental Inc. und hält weltweit Vorträge und Hands-on-Kurse. 

 

KATANA Zirconia YML
CERABIEN MiLai