Universelles Farbkonzept trifft auf fließfähiges Restaurationsmaterial
Interview mit Takehiro Kameya
Manager der Technologieabteilung von Kuraray Noritake Dental Inc.
Wie wurde der Bedarf für ein universelles fließfähiges Restaurationsmaterial identifiziert?
Der zunehmende weltweite Einsatz stopfbarer Komposite mit universellem Farbkonzept deutete früh auf einen entsprechenden Bedarf im Bereich fließfähiger Materialien hin. Vor diesem Hintergrund lag die Annahme nahe, dass Anwender auch von einer fließfähigen Variante mit vergleichbarem Konzept profitieren würden. Insbesondere vereinfachte klinische Workflows sowie eine reduzierte Anzahl an vorzuhaltenden Farben bieten Vorteile im Hinblick auf Effizienz und Bestandsmanagement. Das universelle fließfähige Komposit wurde zunächst im japanischen Markt eingeführt, wo es rasch eine hohe Akzeptanz und einen signifikanten Marktanteil erreichte. Anwender berichteten dort über vielseitige Einsatzmöglichkeiten sowie durchweg positive klinische Ergebnisse. Auf Basis dieser erfolgreichen Marktentwicklung wurde in enger Abstimmung mit dem europäischen Team die Einführung in Europa initiiert. Die anschließende Kommerzialisierung erfolgte in einem vergleichsweise kurzen Zeitraum von etwa einem Jahr.
Schafft die zusätzliche Verwendung eines universellen fließfähigen Komposits neben einer universellen stopfbaren Variante wirklich einen Mehrwert?
Ja, die ergänzende Verwendung eines modernen fließfähigen Komposits bietet mehrere Vorteile. Im Gegensatz zu früheren Produkten verfügt die neueste Generation fließfähiger Komposite über eine ausreichende mechanische Festigkeit, sodass sie auch für reguläre Restaurationen eingesetzt werden können. Zu den Vorteilen zählen: hervorragende Fließfähigkeit – selbst in sehr enge Bereiche komplexer Kavitäten, einfache und schnelle Applikation, optimale Adaption an die adhäsive Grenzfläche, dichter Randschluss.
Was sind die Unterschiede zwischen CLEARFIL MAJESTY™ ES Flow und CLEARFIL MAJESTY™ ES Flow Universal?
CLEARFIL MAJESTY ES Flow und CLEARFIL MAJESTY ES Flow Universal teilen viele zentrale Eigenschaften: komfortable Applikation und Handhabung, gute Modellierbarkeit, sehr einfache und schnelle Politur, langanhaltender Glanz und hervorragende mechanische Eigenschaften. Dank ihrer hohen Festigkeit können beide Materialien nicht nur als Liner, sondern auch für direkte Restaurationen verwendet werden.
Der entscheidende Unterschied liegt im Farbkonzept: Die Universal-Variante verwendet ein universelles Farbsystem. Dadurch kann sie sich an ein breites Spektrum von Zahnfarben anpassen
Gleichzeitig wird die Anzahl benötigter Farben deutlich reduziert.
Bitte beschreiben Sie das Farbkonzept von CLEARFIL MAJESTY™ ES Flow Universal. Wie viele Farben gibt es und wie werden sie ausgewählt?
Das Farbkonzept von CLEARFIL MAJESTY™ ES Flow Universal basiert auf einer gezielten Vereinfachung der Farbauswahl bei gleichzeitig hoher klinischer Flexibilität. Das System umfasst lediglich zwei Universalfarben: Universal (U) und Universal Dark (UD). Die Farbe U eignet sich besonders für sämtliche Restaurationen im Seitenzahnbereich, unabhängig von der Zielzahnfarbe. Im Frontzahnbereich sowie im zervikalen Bereich (Klasse III-, IV- und V-Kavitäten) wird U bevorzugt für Zahnfarben im Bereich von A1 bis A3 eingesetzt (einschließlich B1, B2, C1, C2 sowie D2–D4).
Für dunklere Zahnfarben stellt UD die geeignete Wahl dar. Diese Farbe ist für Zielzahnfarben im Bereich von A3,5 bis A4 konzipiert (einschließlich B3, B4, C3 und C4). Durch diese Reduktion auf zwei Farbtöne wird die Farbauswahl im klinischen Alltag deutlich vereinfacht, ohne die ästhetische Integrationsfähigkeit der Restauration zu beeinträchtigen.
Farbabstimmung bei Front- und Seitenzahnrestaurationen
Warum bieten Sie eine zusätzliche Farbe für den Frontzahnbereich an?
Universalfarb-Komposite müssen die Farbe der umgebenden Zahnstruktur annehmen, um bei einer Vielzahl von Zielfarben ein optimales ästhetisches Ergebnis zu erzielen. Im Seitenzahnbereich steht in der Regel ausreichend umgebende Zahnsubstanz zur Verfügung, da meist mehrere Kavitätenwände erhalten bleiben. Dies erleichtert die Farbübernahme erheblich.
Im Frontzahnbereich hingegen ist die Situation anders: Hier kann Licht leichter durch die Struktur hindurchtreten, wodurch die Eigenfarbe des Komposits stärker sichtbar wird. Dies kann zu Einschränkungen bei der Farbanpassung führen. Bei CLEARFIL MAJESTY ES Flow Universal zeigte sich, dass die Farbe U, die im Seitenzahnbereich ideal ist, bei Frontzahnrestaurationen dunklerer Zähne gewisse Grenzen in der Farbanpassung aufweist.
Aus diesem Grund wurde eine zweite Farboption speziell für solche Situationen entwickelt.
Mit den Farben U und UD bietet das Material eine hervorragende Farbanpassung von hell bis dunkel und erfüllt damit insbesondere im Frontzahnbereich die Anforderungen an eine präzise Farbwahl.
Die Entwicklung von nur zwei Farben zur Abdeckung so vieler Zahnfarben klingt anspruchsvoll. Wie wurde überprüft, ob diese Farben klinisch geeignet sind?
Die Entwicklung der Farbe U, die ein noch breiteres Farbspektrum für Front- und Seitenzähne abdecken soll als die Universalfarbe von CLEARFIL MAJESTY ES-2 Universal, stellte tatsächlich eine große Herausforderung dar. Zur Bewertung und Feinabstimmung wurden wiederholt Füllversuche durchgeführt: an künstlichen Zähnen, an extrahierten Zähnen mit unterschiedlichen Zahnfarben.
Dabei wurden zahlreiche experimentelle Farbtöne getestet. Zusätzlich erfolgte die finale Bewertung durch praktisch tätige Zahnärztinnen und Zahnärzte unter klinischen Bedingungen.
Was sind die größten Herausforderungen bei der Farbbestimmung und -auswahl im klinischen Umfeld?
Eine zentrale Limitation der klassischen Farbbestimmung besteht in dem erhöhten Zeitaufwand am Behandlungsstuhl. Sowohl aus Sicht des Behandlers als auch des Patienten ist jedoch eine möglichst kurze Behandlungsdauer anzustreben, da dies die Effizienz steigert, Kosten reduziert und den Patientenkomfort verbessert. Ein wesentlicher Nachteil ergibt sich zudem aus potenziellen Fehlbestimmungen der Zahnfarbe. Farbabweichungen können zusätzliche intraorale Korrekturen erforderlich machen oder im ungünstigsten Fall zur Neuanfertigung der Restauration führen. Dies führt nicht nur zu einem erhöhten zeitlichen und wirtschaftlichen Aufwand, sondern beeinträchtigt auch den gesamten Behandlungsablauf.
CLEARFIL MAJESTY™ ES Flow Universal ist in zwei Viskositäten erhältlich – Low und Super Low. Warum wurde diese Differenzierung gewählt und worin bestehen die Unterschiede in der Anwendung?
Die Bereitstellung zweier Viskositätsstufen mit unterschiedlichen thixotropen Eigenschaften dient dazu, individuellen Anwenderpräferenzen sowie verschiedenen klinischen Situationen gerecht zu werden. Grundsätzlich bestehen keine wesentlichen Unterschiede im Indikationsspektrum zwischen Low und Super Low. Beide Varianten können vielseitig eingesetzt werden. Die Auswahl erfolgt vielmehr auf Basis des bevorzugten Handlings und der jeweiligen klinischen Anforderungen. So eignet sich die Super-Low-Variante aufgrund ihres ausgeprägteren Fließverhaltens besonders für die präzise Gestaltung okklusaler Strukturen im Seitenzahnbereich. Die Low-Variante hingegen bietet ein etwas standfesteres Verhalten und ist dadurch breit einsetzbar, beispielsweise für Linings, zervikale Defekte sowie approximal gelegene Kavitäten.
CLEARFIL MAJESTY™ ES Flow Universal – Hervorragende mechanische Eigenschaften
Welche Technologien stehen hinter CLEARFIL MAJESTY™ ES Flow Universal und ermöglichen die ausgeprägte Farbintegration („Blend-in-Effekt“)?
Eine zentrale Grundlage für die hohe Farbintegration bildet die proprietäre Light Diffusion Technology. Diese basiert auf der gezielten Steuerung der Lichtstreuung im Material: Eine stärkere diffuse Reflexion des einfallenden Lichts führt zu einem aufhellenden Effekt, während eine geringere Lichtstreuung die Aufnahme dunklerer Farbtöne aus der umgebenden Zahnstruktur begünstigt. Auf diese Weise kann sich das Material optisch an unterschiedliche klinische Situationen anpassen.
Darüber hinaus wurde besonderes Augenmerk auf die Chroma-Anpassung gelegt. Das universelle Farbkonzept beruht auf der Fähigkeit des Materials, die Farbcharakteristik der umgebenden Zahnhartsubstanz aufzunehmen und sich harmonisch in diese zu integrieren. Entsprechend wurde die Farbsättigung so abgestimmt, dass sie mit einem breiten Spektrum natürlicher Zahnfarben kompatibel ist.
Ein weiterer entscheidender Faktor ist die gezielt eingestellte Transluzenz. Diese wird durch den Einsatz submikroner Füllstoffe sowie spezieller Silica-Cluster beeinflusst. In enger Zusammenarbeit mit erfahrenen klinischen Anwendern wurde ein Transluzenzniveau definiert, das eine natürliche ästhetische Integration unterstützt, ohne die optische Stabilität der Restauration zu beeinträchtigen.

Wie geht man bei verfärbter Zahnsubstanz im Untergrund vor – ist ein Abdecken mit Blocker oder Opaquer notwendig?
Die Notwendigkeit einer zusätzlichen Opakisierung hängt maßgeblich vom Ausmaß der Verfärbung der Zahnhartsubstanz ab. Aufgrund der ausgeprägten lichtoptischen Eigenschaften von CLEARFIL MAJESTY™ ES Flow Universal – insbesondere der kontrollierten Lichtdiffusion – ist in vielen Fällen keine zusätzliche Blockung erforderlich, da eine ausreichende Farbintegration erzielt werden kann.
Bei ausgeprägten Verfärbungen kann es jedoch sinnvoll sein, den Kavitätenboden gezielt vorzubehandeln. Hierzu kann beispielsweise ein Unterbau mit den Dentinfarben A2D oder A3D aus CLEARFIL MAJESTY™ ES Flow erfolgen. Alternativ kann ein Opaker wie CLEARFIL™ ST Opaquer eingesetzt werden, um eine zuverlässige Maskierung dunkler Strukturen zu gewährleisten und die ästhetische Integration der Restauration zu optimieren.
Welche Maßnahmen wurden ergriffen, um die Bildung von Lufteinschlüssen während der Applikation zu vermeiden?
Zur Minimierung von Lufteinschlüssen wurde das bewährte Verpackungs- und Applikationsdesign von CLEARFIL MAJESTY™ ES Flow übernommen. Das innovative Spritzensystem ist so konzipiert, dass der Totraum zwischen Spritze und Applikationskanüle beim Aufsetzen der Spitze auf ein Minimum reduziert wird. Dadurch wird das Risiko der Luftinsertion während der Materialapplikation deutlich verringert und eine gleichmäßige, blasenarme Applikation unterstützt.
Gibt es Empfehlungen, wann CLEARFIL MAJESTY™ ES Flow bzw. CLEARFIL MAJESTY™ ES Flow Universal eingesetzt werden sollte?
Die universelle Variante CLEARFIL MAJESTY™ ES Flow Universal ist insbesondere für allgemeine Anwendungen wie Lining- und Füllungstechniken geeignet, wie sie in der Gebrauchsanweisung beschrieben sind. Sie bietet Vorteile vor allem dann, wenn eine vereinfachte Farbauswahl und ein effizienter Workflow im Vordergrund stehen. CLEARFIL MAJESTY™ ES Flow hingegen wird bevorzugt in Fällen eingesetzt, in denen größere Bereiche der Zahnhartsubstanz überdeckt werden und eine gezielte Farbveränderung des gesamten Zahns erforderlich ist. Ein typisches Beispiel hierfür sind direkte Veneers. In solchen Situationen ist die Verwendung mehrerer Farben und unterschiedlicher Opazitäten entscheidend, um ein optimales ästhetisches Ergebnis zu erzielen.
Wie sieht die Zukunft fließfähiger Komposite aus?
Mit zunehmender Verfügbarkeit klinischer Daten sowie belastbarer physikalischer Kennwerte ist davon auszugehen, dass das Vertrauen in fließfähige Komposite – insbesondere in Europa – weiter wächst und ihr Indikationsspektrum entsprechend erweitert wird. Darüber hinaus wird ein steigender Bedarf erwartet, insbesondere durch die Weiterentwicklung moderner restaurativer Techniken, bei denen fließfähige Komposite in Kombination mit Matrizen oder Formhilfen eingesetzt werden. Diese Ansätze ermöglichen standardisierte, effiziente und reproduzierbare Behandlungskonzepte.
- 09.07.2026